Romane zum Hören

Immer mehr Bücher erscheinen zeitgleich oder zeitnah auch zum Hören. Viele Zeitgenossen genießen mittlerweile Literatur ja lieber so als mit einem Buch in der Hand. Vor allem, wenn sie so gut gemacht ist wie vom Münchner Hörverlag.

Mit ihrer Neapolitanischen Saga hat Elena Ferrante ja die Herzen ihrer deutschen Leser und Leserinnen im Sturm erobert. Aber die kann noch mehr, wie ihre Lästige Liebe beweist.

Auch da geht es um Familie und Freundschaften und die Geheimnisse ihrer vermutlichen oder vermeintlichen Heimat Neapel. Ob das mit der Heimat so stimmt, kann man nur erahnen, denn sie selbst weigert sich ja standhaft, ihre Anonymität aufzugeben.

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Der Dreh- und Angelpunkt ist diesmal der Tod ihrer Mutter, die an einen 23. Mai ertrank. Doch unter welchen Bedingungen? Dazu muss Delia, wie die Titelheldin heißt, umfassend recherchieren. Und das Ergebnis ist nicht immer angenehm. Fragen ranken sich nämlich auch um ihren gewalttätigen Vater oder einen Ex-Lover der Frau Mama. Vor heiklen Überraschungen bleibt die Tochter auf jeden Fall nicht sicher.

So sehr die Autorin dieses fesselnden Romans im Dunkel bleibt, so klar ist es, wer ihr ihre Stimme verleiht: Eva Mattes, eine der besten deutschen Schauspielerinnen und Vorleserinnen.

Elena Ferrante: „Lästige Liebe“; Roman als Hörbuch; gelesen von Eva Mattes; Hörverlag, München 2018; vier CDs mit 308 Minuten; 22 Euro

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Die Männer und das Internet – das ist schon eine Beziehung für sich. Vor allem, wenn sie schon ein bißle in die Jahre gekommen sind wie der Gatte, den Rosa Schmidt in ihrem geheimen Ehefrauen-Tagebuch Mein Mann, der Rentner, und das Internet da so schildert.

An allem schuld ist dabei eigentlich Töchterchen Julia, die im Grunde beide mit einem dieser modernen Tablets beglückt. Die Dame des Hauses sprüht vor Skepsis, aber ihr Angetrauter vor Begeisterung. Und so ergeben sich manche Konflikte. Zum Beispiel, als Google eine größere Glaubwürdigkeit besitzt als die Ehefrau. Oder der Pensionist eine Facebook-Party startet, in der sich die Dinge nur so überschlagen.

So geht es halt (angeblich) zu, wenn Rentner zu viel Zeit haben.

Rosa Schmidt: „Mein Mann, der Rentner, und dieses Internet“; Roman als Hörbuch; gelesen von Gabriele Blum; Hörverlag, München 2018; vier CDs mit 288 Minuten; 9,99 Euro

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In Europa zählt sie (zurecht) zu den populärsten südamerikanischen Schriftstellerinnen: Isabel Allende, deren Vater, der sozialistische Präsident Chiles, 1973 beim Putsch des Generals Pinochet, der danach ein grausames Regime errichtete, umgebracht wurde.

Diese Geschichte wird als ihr „persönlichster Roman“ eingestuft. Ob das nun so ist oder nicht: Im Mittelpunkt stehen drei Menschen, die ein Schneesturm in Brooklyn zusammengewürfelt hat: eine chilenische Gastprofessorin, ihr (ebenfalls professoralen) Vermieter und ein Kindermädchen aus Guatemala.

Achso, dann kommt noch jemand dazu: nämlich eine Leiche im Kofferraum. Die muß weg. Aber während der Bemühungen, sie verschwinden zu lassen, kommt ihnen auch immer die eigene Lebensgeschichte in die Quere.

Isabel Allende: „Ein unvergänglicher Sommer“; Roman als Hörbuch; gelesen von Barbara Auer; Hörverlag, München 2018; neun CD mit 622 Minuten; 22 Euro

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Liebe, Leid und Glück: Das sind die Fixpunkte dieser Geschichte der Schwedin Sofia Lundberg, die rund um Das rote Adressbuch kreist.

Das hat der Vater der Heldin des Romans, Doris, im Stockholm der Zwanziger Jahre geschenkt. Sie soll darin alle eintragen, die ihr im Leben etwas bedeuten. Das tut sie auch. Und zeichnet später anhand dieser Notizen ihre eigene Lebensgeschichte auf.

Darin spiegelt sich ihr bewegtes Leben wider. An den verschiedensten Standorten. Nicht nur in ihrer Heimatstadt. Es geht quer über Ozeane und Kontinente, ins mondäne Paris der Dreißiger Jahre ebenso wie nach New York und England. In Gedanken aber auch immer zu dem Mann, den sie verlor, der aber nie aus ihrem Leben verschwand.

Sofia Lundberg: Das rote Adressbuch“; Roman als Hörbuch; gelesen von Beate Himmelstoß und Susanne Schroeder; sechs CDs mit 442 Minuten; 20 Euro

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