Wissenschaftsrevolution

Die Lebensweise hat auch etwas mit wissenschaftlicher Erkenntnis zu tun. Zumindest beschreibt Frank Rexroth in einem hochinteressanten Buch aus dem Verlag C.H. Beck eine Epoche, in der das genau so war.

Er bezeichnet nämlich die Fröhliche Scholastik geradezu als Wissenschaftsrevolution. In der hätten sich vor rund 900 Jahren die Gelehrten von althergebrachten Traditionen gelöst und neuartige Schulen gegründet. Ihr Leben – einschließlich ihrer Gefühle, Ideen und Entdeckungen – beschreibt der Professor für Mittlere und Neuere Geschichte an der Uni Göttingen in seinem Werk. Er sieht in dieser Epoche die Wurzel dessen, „was wir heute Wissenschaft nennen“, und untermauert dies auf faszinierende Art und Weise.

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Peter Abaelard dürfte wohl heute der bekannteste diese „Revolutionäre“ sein – auch wegen des Skandals, den er auslöste, als er ein Verhältnis mit seiner Schülern Heloise einging. Aber er war beileibe nicht der einzige Begründer der „Scholastik“.

Die begeisterte damals auch viele junge Leute, weil damit auch ein ganz neues Lebensgefühl verbunden war. Auch auf dessen Ausprägungen geht Frank Rexroth intensiv und kundig ein: Da geht es zum die Treue zum Lehrer und lebenslange Bindungen ebenso wie um Rangstreitigkeiten. Und diese neue Lebensweise bewirkte auch Veränderungen in der Wissenschaft, die bis heute spürbar sind: etwa durch die Aufsplitterung in verschiedenen Disziplinen, aber auch in der Frage nach der Nützlichkeit oder den strengen Wahrheitsansprüchen. Kurzum: Rexroth beschreibt eine wissenschaftliche Zeitenwende.

Frank Rexroth: „Fröhliche Scholastik. Die Wissenschaftsrevolution des Mittelalters“; Verlag C.H. Beck, München 2018; 505 Seiten mit acht Abbildungen und sechs Karten; 26,95 Euro

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