Familie als Weltgeschichte

Die Geschichte der Menschheit wurde schon aus den verschiedensten Blickwinkeln erzählt. Emmanuel Todd wählt in einem neuen Buch aus dem Verlag C.H. Beck einen ganz besonders spannenden: den der Familie.

Daß die Familie die Keimzelle des Staates ist – das hört man in politischen Sonntagsreden immer wieder. Doch was heißt das überhaupt? Und stimmt es? Hat es jemals gestimmt? Fragen wie diesen geht der bedeutende französische Soziologe in seinem Werk nach – und entdeckt dabei eine überaus Traurige Moderne.

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Als „unbewussten Motor der Geschichte“ betrachtet Todd dabei die familiären Strukturen – und unter diesem Gesichtspunkt erzählt er die Geschichte der Welt neu.

Sein Blick schweift dabei vom frühen Homo sapiens mit seinen Kleinfamilien über die großen Kulturen des Altertums, in der die Großfamilien immer komplexer wurden, bis zur Gegenwart, in der der „Homo americanus“ nach Auffassung des Autors wieder zur „Kernfamilie“ zurückkehrt.

Nicht unbedingt positiv betrachtet er es dabei, daß westliche Waren und Lebensstile bis in den letzten Winkel der Welt vordrängen. Und er schärft den Blick dafür, dass sich seit der Steinzeit die unterschiedlichsten Familienmodelle entwickelt hätten. So existiere zum Beispiel allein in Europa ein Konflikt zwischen einer deutschen Stammfamiliengesellschaft und Regionen mit „egalitären Familienstrukturen“.

Seine Theorie: Wo man diese „tief verankerten Unterschiede“ bei der Lösung der aktuellen Probleme nicht berücksichtige, werde man scheitern. Ja: Es sei sogar die Demokratie in Gefahr.

Emmanuel Todd: „Traurige Moderne. Eine Geschichte der Menschheit von der Steinzeit bis zum Homo americanus“; aus dem Französischen von Werner Damson und Enrico Heinemann; Verlag C.H. Beck, München 2018; 550 Seiten mit 15 Karten und 17 Grafiken; 29,95 Euro (als E-Book 24,99 Euro)

 

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