Joseph Roths Paris

„Wer nicht hier war, ist nur ein halber Mensch und überhaupt kein Europäer“: Das schrieb der große Schriftsteller Joseph Roth vor fast 100 Jahren über Paris. Jan Bürger hat nun einige Feuilletons und Briefe des in Ostgalizien geborenen Autors für ein neues Buch des Verlags C.H. Beck zusammengestellt.

Obwohl er grandiose Texte verfasst hatte, dank derer man das flirrende Leben der Metropole förmlich vor Augen sehen konnte, hatte er bei seinem Arbeitgeber zunächst kein Glück: Die Frankfurter Rundschau sagte 1926 Nein zu seinem Anliegen, ständiger Frankreich-Korrespondent des Blattes zu werden.

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Ein schwerer Schlag, doch damit wollte er sich nicht abfinden. Schließlich schien ihn diese Stadt von allen Sinnkrisen befreit zu haben. Das wollte er nicht einfach so hinnehmen, suchte nach neuer Orientierung, blieb aber dennoch (oder gerade deswegen) bei Paris als Mittelpunkt seines unsteten Lebens, das sich nicht zuletzt in Hotels, Bars und Bistros abspielte – erst recht natürlich, als er vor der Nazi-Herrschaft nach Frankreich ins Exil gegangen war. 1939 starb er auch in der Stadt an der Seine.

In Pariser Nächte kann man die Faszination eines der innovativsten Journalisten seiner Zeit, dem auch die bedeutenden Romane „Hiob“ (1930 / über die Geschichte der Ostjuden) und Radetzkymarsch (1932 / über den Untergang der Donaumonarchie) zu verdanken sind, nachvollziehen, birgt der Band doch sämtliche dort entstandenen Feuilletons und auch einige Briefe, die sich der Stadt widmen, in sich.

Joseph Roth: „Pariser Nächte. Feuilletons und Briefe“; herausgegeben von Jan Bürger; Verlag C.H. Beck, München 2018; 144 Seiten; 16 Euro (als E-Book 8,99 Euro)

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