„Nur das Beste“

Der Niedergang einer Familie – spätestens seit Thomas Manns „Buddenbrooks“ ist das ein faszinierendes Roman-Thema. Eine neue (auf einer wahren Geschichte beruhende) Variante erzählt Alexander Münninghoff in einem Buch aus dem Verlag C.H. Beck.

Für den findigen Großvater des Autors war dabei im runde noch alles prima: Der niederländische Kaufmann Joannes Münninghoff konnte es sich mit seiner bezaubernden russischen Frau Erica nach den Wirren des Ersten Weltkriegs in Lettlands Hauptstadt Riga so richtig gut gehen lassen, stellte er sich doch bestens mit den lettischen Establishment, aber auch mit den deutschen Widerstandskämpfern im Baltikum und mit dem britischen Geheimdienst, der im Baltikum herumspionierte.

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Aber die Weltpolitik holt ihn dann doch wieder ein: Sohn Frans schließt sich im Zweiten Weltkrieg der SS an und will aus Überzeugung die Sowjets vernichten. Das passt dem Senior nicht, er zieht nach Den Haag, will Frans als Erben übergehen und ihn durch den kleinen Enkel Alexander ersetzen, der soll Der Stammhalter werden, doch die Schwiegertochter spielt da nicht mit und macht sich Richtung Deutschland aus dem Staub. Worauf der Opa den Kleinen entführt, der seine Mutter erst viele Jahre später wiedersehen wird.

So kann es kommen, wenn jeder für den anderen nur „das Beste“ will. Beziehungen, Hoffnungen und Leidenschaften gehen fast unmerklich in die Brüche. Nicht zuletzt das ist die Botschaft dieser Familiensaga.

Alexander Münninghoff: „Der Stammhalter“; Roman; aus dem Niederländischen von Andreas Ecke; Verlag C.H. Beck, München 2018; 334 Seiten; 19,95 Euro (als E-Book 15,99 Euro)

 

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