Autoren, die da blieben

Über Schriftsteller und andere Künstler, die vor den Nazis flohen, gibt es viele Publikationen. Doch es gab ja auch welche, die da blieben. Wie verlief deren Leben? Konnten Sie trotz der Diktatur Freiräume suchen und auch nutzen? Anatol Regnier zeichnet nun in einem neuen Buch aus dem Verlag C.H. Beck zahlreiche Schicksale nach – von Erich Kästner bis Hans Fallada.

Mit überaus großer Sorgfalt und ohne jede Überheblichkeit nähert sich der Chansonnier und Autor dabei den zuweilen so widersprüchlichen Biografien. Und das ist gut so, denn wer weiß schon, wie er selbst unter einer Terrorherrschaft handeln würde?! Ein Held zu sein, ist schließlich gar nicht so leicht, wenn es wirklich darauf ankommt: Jeder schreibt für sich allein wählte Regnier daher als Titel – in Anlehnung an Hans Falladas letztes Meisterwerk „Jeder stirbt für sich allein“.

Aber gerade diese Zerrissenheit ist es ja, die diese Lebensläufe so interessant macht. Das Gute daran: Der Autor konnte viele Nachlässe und Korrespondenzen auswerten und lässt die betroffenen ausführlich auch selbst zu Wort kommen. Überzeugte Nazis sind ebenso darunter wie Schrifdtsteller, die es einfach nicht übers Herz brachten, ihre Heimat zu verlassen. Wieviel Anpassung mußten sie zeigen, wie viel Freiheit konnten sich Autoren wie Agnes Miegel und Ina Seidel, Gottfried Benn, Hans Johst und Will Vesper leisten?

Die wichtigste Botschaft des Buches ist vielleicht: So einfach ist die Antwort auf all die Fragen gar nicht. Es gibt eben nicht nur Schwarz und Weiß. Sondern auch Zwischentöne. Und dies wurde in der Germanistik der Nachkriegszeit vielleicht allzu oft und allzu sehr ausgeblendet.

Anatol Regnier: „Jeder schreibt für sich allein“; Biografien; Verlag C.H. Beck, München 2020; 366 Seiten; 26 Euro

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