Verkannte Mystik

Lange Zeit spielte auch unter christlichen Menschen der Verstand die erste Geige. Das über Jahrhunderte verehrte Geheimnis des Glaubens trat da in den Hintergrund – vielleicht lag und liegt das ja auch daran, dass den Menschen der Moderne Gott immer weiter entfernt vorkommt. Obwohl dem nicht so ist. Gedanken wie diese können einem auf jeden Fall in den Sinn kommen, wenn man ein Buch des evangelischen Theologen Georg Schwikart aus dem Verlag Neue Stadt liest.

Der Religionswissenschaftler mit katholischen Wurzeln ist überzeugt, dass diesem Geheimnis nachzuspüren alles andere als weltfremd sei. Die von ihm propagierte Mystik für alle sei hingegen ein Zugang zu Gott. Auch und gerade im Hier und Jetzt. Und deswegen nimmt der 56-Jährige seine Leser mit auf eine Entdeckungsreise durch die Bibel.

Die Bodenhaftung verliert er dabei nie. Mystik ist für ihn kein eigener Glaube, sondern die Gewissheit, dass im Grunde alles, was einem begegnet, ein Zeichen Gottes ist. Übrigens nicht nur im Christentum. Sondern in allen Religionen.

Mystik – das bedeutet für Georg Schwikart auch Freiheit: Jeder Mensch könne durch sie den direkten Zugang zu Gott erhalten – ohne irgendwelche Amtsträger „zwischenschalten“ zu müssen. Einer Voraussetzung bedürfe es dabei indes: „Des Vertrauens, dass Gott größer ist als alle Wörter und Bilder“. Und man sich deshalb ganz einfach auf ihn einlassen muss. Und kann.

Welch eine wunderbare Perspektive!

Georg Schwikart: „Mystik für alle!“; Verlag Neue Stadt, München 2020; 156 Seiten; 18 Euro

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